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Aurora obscura - Notenbeispiel
Notenbeispiel
Titel Aurora obscura
Kategorie Blasorchester/HaFaBra
Unterkategorie Zeitgenössische Bläsermusik (1945-heute)
Besetzung Ha (Blasorchester)
Format/Umfang PrtStm (Partitur und Stimmen)
Verlags-Artikelnr. KL 2264
Erscheinungsjahr 2016
Verkaufspreis 122,00 EUR (inkl. 10 % österr. USt.)
Komponist Gutmann, Philipp Manuel
Schwierigkeitsgrad 4
Selbstwahlliste-Grad D3 (Einstufung Deutschland Mittelstufe); SJ (Österreichische Jugend-Literaturdatenbank)
Dauer 6:30
Zusatzinfo/Inhalt In seiner Komposition „Aurora obscura“ bezieht sich Philipp Gutmann ganz allgemein auf das Phänomen
der Morgenröte aus einer unheimlichen, quasi düsteren Perspektive. Zudem nahm das nachstehende Gedicht „Aurora“ von Jakob van Hoddis eine wesentliche Rolle in der Konzeption des Werks ein:

„Nach Hause stiefeln wir verstört und alt,
die grelle, gelbe Nacht hat abgeblüht.
Wir sehn, wie über den Laternen, kalt
und dunkelblau, der Himmel droht und glüht.

Nun winden sich die langen Straßen, schwer
und fleckig, bald, im breiten Glanz der Tage.
Die kräftige Aurore bringt ihn her,
mit dicken, rotgefrorenen Fingern, zage.“

Die Atmosphäre dieses Gedichts und die subjektive Empfindung des Komponisten flossen in Form von
motivischen Elementen, unvermuteten blitzartigen Effekten und teilweise „obskuren“ Harmonien in die Komposition mit ein und formten sie auf diese Weise zu einer geschlossenen Einheit.

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Programmnotizen: Ergänzungstext

Die Morgenröte in der Musik und die Komposition „Aurora obscura“ von Philipp Manuel Gutmann

Die Morgenröte, oft als „Aurora“ bezeichnet, ist ein zentrales Symbol in Kunst und Literatur. Sie steht für Hoffnung, Neubeginn und den Übergang zwischen Dunkelheit und Licht. In der antiken Mythologie verkörpert Aurora die Göttin der Morgenröte, die den Tagesanbruch ankündigt und den Sieg des Lichts über die Nacht symbolisiert. Diese Symbolik findet sich auch in der Literatur, etwa bei Friedrich Nietzsche, der in seinem Werk „Morgenröte“ den Aufbruch ins Neue thematisiert. In der Musik wird die Morgenröte häufig als atmosphärische Stimmung des Übergangs dargestellt – zwischen Stille und Aktivität, zwischen Ungewissheit und Klarheit.

• Das Gedicht „Aurora“ von Jakob van Hoddis

Das Gedicht „Aurora“ von Jakob van Hoddis, entstanden zwischen 1903 und 1942, ist ein expressionistisches Werk, das die Zerstörung bürgerlicher Ordnung durch surreale Bilder beschreibt. Die erste Strophe zeigt eine „grelle, gelbe Nacht“, die „abgeblüht“ ist, während die zweite Strophe den Übergang in den Tag beschreibt: „Die kräftige Aurore bringt ihn her, / Mit dicken, rotgefrorenen Fingern, zage.“ Die Atmosphäre ist geprägt von einer düsteren, fast bedrohlichen Stimmung, die den Konflikt zwischen Nacht und Tag, zwischen Verfall und Neubeginn, thematisiert.

Die Komposition „Aurora obscura“ von Philipp Manuel Gutmann

Die Komposition „Aurora obscura“ von Philipp Manuel Gutmann, geschrieben für symphonisches Blasorchester, überträgt diese düstere, aber auch hoffnungsvolle Stimmung des Gedichts in musikalische Bilder. Das Werk dauert etwa 6 ½ Minuten und ist durch Tempowechsel strukturiert: Es beginnt im Tempo 1/4 = 100, verlangsamt sich bei Buchstabe „C“ auf 1/4 = 80, kehrt bei „D“ zum Anfangstempo zurück und leitet bei „F“ mit 1/4 = 80 zum Finale über.

• Motivische Elemente und blitzartige Effekte

Gutmann setzt die expressionistische Bildsprache des Gedichts in musikalische Motive um. Die „grelle, gelbe Nacht“ wird durch dissonante Harmonien und abrupt wechselnde Klangfarben dargestellt. Blitzartige Effekte in den Blechbläsern und Schlaginstrumenten symbolisieren die „dunkelblau“ drohende Atmosphäre. Die „kräftige Aurore“ findet ihren Ausdruck in aufsteigenden Melodielinien, die sich langsam aus der Düsternis lösen. Die „rotgefrorenen Finger“ werden durch zögerliche, aber kraftvolle Akzente in den Holzbläsern und Schlaginstrumenten umgesetzt.

• Obskure Harmonien und Klangfarben

Obskure Harmonien und ungewöhnliche Klangkombinationen betonen die „obscura“ – die düstere, unklare Seite der Morgenröte. In den langsameren Passagen entstehen dichte Klangflächen, die die „schweren, fleckigen Straßen“ des Gedichts musikalisch abbilden. Helle, fast ätherische Klänge in den Flöten und Klarinetten kontrastieren mit tiefen, bedrohlichen Tönen in den Posaunen und Tuben, was den Konflikt zwischen Hoffnung und Verfall unterstreicht.

• Geschlossene musikalische Einheit

Trotz der kontrastreichen Elemente entsteht eine geschlossene Form. Die Tempowechsel wirken als dramaturgisches Mittel und spiegeln die Ambivalenz des Gedichts wider – zwischen Aufbruch und Zögern, zwischen Licht und Dunkelheit. Die motivischen Elemente kehren in variierter Form wieder und schaffen so einen roten Faden, der das Werk trotz seiner Komplexität zusammenhält.

• Eine emotionale Reise zwischen Spannung und Entspannung

Die Komposition lädt den Zuhörer ein, sich auf eine emotionale Reise zu begeben, die sowohl introspektiv als auch expansiv wirkt. Durch die sorgfältige Gestaltung der Klangfarben und die präzise Balance zwischen Spannung und Entspannung entsteht ein Raum, in dem sich die Ambivalenz der Morgenröte unmittelbar erfahrbar macht. Dabei bleibt die Musik stets offen für individuelle Deutungen: Sie kann als Spiegel des inneren Wandels verstanden werden, als Metapher für persönliche Krisen ebenso wie für gesellschaftliche Umbrüche. So verbindet „Aurora obscura“ auf eindrucksvolle Weise die historische Symbolik der Morgenröte mit zeitgenössischer musikalischer Ausdruckskraft und schafft einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Poesie und Klang.

• „Aurora obscura“ gelingt es, die subjektive Empfindung des Komponisten und die Atmosphäre des Gedichts in eine musikalische Sprache zu übersetzen. Durch motivische Elemente, blitzartige Effekte und obskure Harmonien entsteht ein Werk, das die expressionistische Bildwelt van Hoddis’ aufgreift und in eine moderne, klanggewaltige Komposition für Blasorchester überführt. Die Tempowechsel und die kontrastreichen Klangfarben schaffen eine geschlossene Einheit, die den Hörer in die ambivalente Stimmung der Morgenröte eintauchen lässt – zwischen Hoffnung und Düsternis, zwischen Aufbruch und Verfall. •

Text: © musicainfo.net (KI)

Quellen/Sources:
Kliment Musikverlag: Aurora obscura
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abipur.de: Aurora von Jakob van Hoddis
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